Dschoint Ventschr Filmproduktion Zürich   Dschoint Ventschr Filmproduktion Zürich
Dschoint Ventschr Filmproduktion Zürich
 
 
mit den Stimmen von: Bruno Ganz, Daniel Kasztura und Anna Katarina
Karl Geiser (1898-1957): Schweizer Bildhauer, Zeichner und Fotograf. Hin- und hergerissen zwischen überschäumender Lebenslust und tiefen Selbstzweifel starb er als solitärer Steppenwolf. Portrait eines in Vergessenheit geratenen Künstlers mit vulkanisch heftigem Temparament, den seine Freunde nicht umsonst «Geysir» nannten.
Anfang April 1957 wird Karl Geiser – einer der bekanntesten Schweizer Künstler seiner Zeit – in seinem Atelier in Zürich tot aufgefunden. Die letzten Einträge in seinem Tagebuch zeugen von einer tiefen Verzweiflung. Ein Freitod ist wahrscheinlich. Die überlebensgrosse Figur des David mit dem Haupt des toten Goliath, um die er seit Jahren ringt, werde ihn noch töten, hat er unlängst vorausgesagt.

Der Film von Alexander J. Seiler versucht Leben und Werk Geisers – den seine Freunde und Freundinnen wegen seines vulkanischen Temperaments «Geysir» nannten – «von innen» darzustellen: in der Vielfalt seines künstlerischen Schaffens, in zahlreichen schriftlichen Selbstzeugnissen und in schriftlich oder mündlich überlieferten Berichten von Zeitgenossen. So stellt Geiser sich gleichsam in einem Selbstbildnis dar. Dass er, der noch vor Anbruch des audiovisuellen Zeitalters starb, auch körperliche Präsenz gewinnt, verdankt der Film der Stimme von Bruno Ganz.

Karl Geiser ist der grosse Unbekannte der Schweizer Kunst im 20.Jahrhundert. Eine Art «Anti-Giacometti». Ganz der Figuration und dem Bild des Menschen verpflichtet, hat der Berner Bildhauer mit den Berner Figurengruppen und dem Zürcher «Denkmal der Arbeit» zwei zeitlose Meisterwerke geschaffen. Zeichnungen, Radierungen und eigene Photographien vervollständigen ein Werk, das zwischen ständigem Scheitern und dem Anspruch auf gültige Vollkommenheit schwankt. Als «deklassierter Päderast» fühlte der Künstler selber sich in der mächtigen Welt der Goliaths als jener David, an dem sein Leben zerbrach.
Alexander J. Seiler gelingt in seinem Film eine behutsame, stille Annäherung an einen «Geysir», der an seiner Unzeitgemässheit und seiner Unmässigkeit unterging. Eine beunruhigende Erinnerung an eine Künstler-Legende und die Rehabilitation eines streitbaren Humanisten, der «einfach Menschen» modellierte.
(Guido Magnaguagno)

«Entstanden ist ein radikal ungeschminktes Porträt: ein Statement gegen falsche Heroisierung, wie es auch Geiser vertreten hat.»
(Adrian Riklin, «WOZ» 46/2010)

«Der Film besteht fast nur aus unbewegten Bildern, aus Fotografien, die aneinandergereiht zu einem bewegten und bewegenden Film werden, den Rhythmus eines Films haben und in der Erinnerung zu bewegten Bildern werden. (...) Keine Interviews mit Zeitgenossen, keine Gänge mit der Kamera – nur das Monument Geiser und seine Monumente, an denen und für die er gelitten hat. Ich habe noch selten so direkt erlebt, dass die Form eines Films – diese wirklich aussergewöhnliche Form – den Inhalt beschrieb.»
(Peter Bichsel, «Filmbulletin» 8/2010)
> Flyer zum Film
 
TV Dokumentarfilm, 2010
52 Min.

Regie: Alexander J. Seiler
Kamera: Ueli Nuesch, Matthias Kälin
Schnitt: Reinhard Trinkler
Musik: Michel Seigner

Premiere: 3.11.2011 an der 34. Filmwoche Duisburg

Festivals: Duisburger Filmwoche, Solothurner Filmtage

Produktion: Dschoint Venstschr Filmproduktion

Produzent/in: Werner Schweizer Produktionsleitung: Sereina Gabathuler